Hordeolum

Gerschtl, Ürseli, Grittli 

Hordeolum

Beim Hordeolum (Gerstenkorn) handelt es sich um eitrige Entzündungen der inneren oder äußeren Augenliddrüsen. Nähere Informationen zu Ursache, Behandlung oder Hausmittel erfahren Sie in unserem Ratgeber

Hordeolum (lat. Gerstenkorn) am Auge

Auge mit Gerstenkorn

Auge mit Gerstenkorn

Bei einem Gerstenkorn (lat. Hordeolum, abgeleitet von Hordeum = Gerste) handelt es sich um eine Entzündung der Drüsen des Augenlides, deren Ursache auf eine bakterielle Infektion zurückzuführen ist. Im Anfangsstadium des Gerstenkorns bildet sich am Lidrand ein kleiner Pickel, der sich mit Eiter füllt und einen unangenehmen Juckreiz, drückende Schmerzen sowie eine Schwellung verursacht. In der Regel geht dieser mit Eiter gefüllte Abszess nach vier bis sechs Tagen von alleine auf und verheilt, ohne weitere Komplikationen während der Entzündung zu verursachen. Eher selten treten Gerstenkörner auf, bei denen es nach dem (vermeintlichen) Abheilen zur Folgeentzündung kommt. In diesem Fall wird eine ärztliche Untersuchung empfohlen, um eine Immunschwäche oder sogar Diabetes mellitus als eigentliche Ursache auszuschließen.

Bei einem Gerstenkorn wird zwischen einem inneren (Hordeolum internum) und einem äußeren (Hordeolum externum) unterschieden. Während das äußere Gerstenkorn durch den Pickel im Bereich der Wimpern leicht zu erkennen ist, kann das innere Gerstenkorn nur von einem Arzt verlässlich diagnostiziert werden. Es bildet sich ausschließlich auf der Lidinnenseite.

Unseren Einschätzungen zufolge wird der größte Teil dieser Infektionen durch Staphylokokken, und ein wesentlich geringerer Teil durch Streptokokken verursacht. In sehr seltenen Fälle werden Gerstenkörner auch durch beide Erregerarten gleichzeitig verursacht, die dann sehr schwere Entzündungen verursachen können. 

Das Augenlid

Die Aufgabe der Augenlider besteht darin, das empfindliche Auge vor einer Berührung, dem Eindringen von Fremdkörpern bzw. Krankheitserregern sowie anderen Umwelteinflüssen oder Licht zu schützen. Der Lidschlussreflex verursacht dabei einen willkürlichen oder unwillkürlichen Lidschlag, auch Blinzeln genannt. Dieses Blinzeln der Augenlider benetzt wiederum die Hornhaut mit Tränenflüssigkeit, um das Auge vor einem Austrocknen zu schützen. Produziert wird diese wichtige Tränenflüssigkeit in den Augendrüsen, innerhalb der Augenlider. 

Die Augendrüsen

Augendrüsen

Augendrüsen

Um die Funktion der Augenlider zu unterstützen, münden im äußeren Bereich der Wimpern die Öffnungen der Moll-Drüsen (Schweißdrüsen) und Zeis-Drüsen (Talgdrüsen). Auf der Lidinnenseite münden die Öffnungen der Meibom-Drüsen, die ebenfalls für die Talgproduktion veranwortlich sind. Alle Augendrüsen versorgen die Tränenflüssigkeit mit notwendigen Fetten, um die Bindehaut mit einem Gleitfilm zu benetzen und dadurch zu schützen.

Inneres und äußeres Gerstenkorn

Bei einem Gerstenkorn dringen Krankheitserreger in die Öffnungen der Augendrüsen ein und verursachen dort eine akute eitrige Entzündung. Ein äußeres Gerstenkorn wird durch Entzündung der im äußeren Bereich des Augenlides gelegenen Moll-Drüsen und Zeis-Drüsen verursacht. Bei einem inneren Gerstenkorn sind die Meibom-Drüsen auf der Lidinnenseite von dieser Entzündung betroffen. In einigen Fällen kann die Entzündung der Augendrüsen auch auf das gesamte Augenlid übergreifen und eine Augenlidentzündung verursachen.

Blepharitis (Augenlidentzündung)

Ersten Anzeichen für eine Augenlidentzündung sind am frühen morgen rote, verklebte und geschwollen Augen. Mit fortschreitender Entzündung der Augenlider stellt sich zugleich ein brennender, unangenehmer Juckreiz ein, der an eine Bindehautentzündung erinnert. Ein weiteres charakteristisches Merkmal einer Augenlidentzündung ist ein Fremdkörpergefühl.

Anders als beim Gerstenkorn kann eine Blepharitis nicht nur durch Staphylokokken (infektiöse Lidentzündung), sondern auch durch Allergene in Augentropfen, -salben und Kosmetika verursacht werden. Diese wird als allergische Lidentzündung bezeichnet. Die bei einer Augenlidentzündung auftretende Verkrustung lässt sich beispielsweise mit warmen Wasser oder ein mit Olivenöl getränkter Wattepad entfernen. Gleichzeitig helfen Augentropfen sehr gut, die der Reizung und der Entzündung entgegen wirken können. Bewährt haben sich dabei Augentropfen mit Ringelblume (Calendula) und Augentrotst (Euphrasia). In einigen Fällen wird eine vorsichtige Lidmassage empfohlen, mit der das angestaute Sekret aus den Augendrüsen in Richtung Wimpern gedrückt wird. Die Finger sollten davor und danach ordentlich desinfiziert werden. Eine gute Lidrandhygiene ist sehr wichtig für den Heilungserfolg. Sollte trotz Hilfemaßnahmen nach spätestens zwei Tagen keine Besserung auftreten, ist umgehend ein Arzt aufzusuchen. 

Gerstenkorn oder Hagelkorn?

Bei einem Hagelkorn (Chalazion) handelt es sich, anders als beim Gerstenkorn, um eine Entzündung die nicht durch Staphylokokken verusacht wird. Statt dessen ist der Auslöser für ein Hagelkorn eine Verstopfung (Sekretstau) innherhalb der Talgdrüsen. Durch die oftmals gleiche Größe wird ein Hagelkorn oft mit einem Gerstenkorn verwechselt. Der wesentliche Unterschied ist aber, dass ein Hagelkorn in der Regel nur von wenig Schmerzen begleitet wird. Gleichzeitig lässt sich die Haut des Augenlides über dem Hagelkorn hin und her bewegen. Ein Hagelkorn braucht dafür auch wesentlich länger um sich von alleine wieder zurückzubilden. Als Anhaltspunkt für die Heilung dienen zwei Wochen. Hat sich nach Ablauf dieser Zeit das Hagelkorn noch nicht zurückgebildet, muss es von einem Augenarzt operativ entfernt werden. Um anstelle eines Hagelkorns einen möglichen Tumor auszuschließen, wird das entnommene Gewebe nach dem Eingriff labortechnisch untersucht.

Wie bei einem Gerstenkorn verursacht ein Hagelkorn in der Regel keine Komplikationen. Kommt es auch hier immer wieder zu einer vermehrten Bildung, muss unbedingt Diabetes mellitus als mögliche Ursache ausgeschlossen werden.

Die Bindehautentzündung

Wie bei einer Augenlidentzündung können die Erreger des Gerstenkorns auch die Bindehaut befallen und so eine Bindehautentzündung (Konjunktivitis) verursachen. Charakteristische Anzeichen für eine Bindehautentzündung sind eine Rötung der Bindehaut (Aufgrund verstärkter Durchblutung), ein Juckreiz sowie Brennen in den Augen, vermehrter Tränenfluss, Lichtempfindlichkeit und ein Fremdkörpergefühl.

Eine Bindehautentzündung kann auf verschiedene Arten zustande kommen. Sie kann entweder mechanisch, also durch Reibung oder Fremdkörper, durch Bakterien wie Staphylokokken, viral als Begleiterkrankung von zum Beispiel Kinderkrankheiten, durch Allergene oder durch Pilze bzw Parasiten verursacht werden. Wichtig bei einer Bindehautentzündung ist, dass die Augen trotz des unangenehmen Juckreizes nicht gerieben werden dürfen. Augentropfen, wie sie bei einem Gerstenkorn zur Anwendung kommen, können auch bei einer Bindehautentzündung reizlindernd wirken und die Entzündung abheilen lassen. Nur in äußerst seltenen Fällen kommen Antibiotika zum Einsatz.

Grieskorn am Auge

Bei Grießkörnern (Milien) handelt es sich um kleine harmlose Zysten, die sich überwiegend im Gesicht bilden. Anders als bei Gerstenkörner oder Hagelkörner bestehen Grießkörner aus Horn, das sich an den Talgdrüsenausgängen bildet. Sie verursachen keinerlei Beschwerden und werden auch nicht als Hautkrankheit angesehen. Sie sind ein rein kosmetisches Problem und sollten entweder von einer Kosmetikerin oder von einem Dermatologen entfernt werden. Von einem Versuch die Grießkörner selbst auszudrücken oder aufzukratzen wird abgeraten. Das ist nicht nur schwierig, sondern oftmals auch sehr schmerzhaft.




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